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Stern Roter Stern
SC Großdeuben vs. RSL Zweite Herren  2:5
12.11.2017 Sportplatz Großderben

Tatsächlich gibt es Menschen, die sich an diesem widerlichen Novembertag in Großdeuben befanden, welches der Texteditor in weiser Ahnung des Spielverlaufs ‚Großderben’ zu verbessern sucht. Auch glaubt in Sachsen kaum einer noch dem geschriebenen Wort, kann doch dieses bezeugt werden: ebenso ein paar pflichtbewusste Connewitzer fanden sich am Sportplatz der Eintracht ein und machten ein Nest von Riesen ein wenig schöner. Doch, niemand wollte hier sein. Da war auch das gepflegte Geläuf kein Trost, über das sich Hobbylehrer Manu durch die Sendung ‚Hier-ab-Vier‘, des für Senile konzipierten Mitteldeutschen Rundfunks bestens informiert zeigte. Und wo wir bei Senilen sind, nur Hennes intimer Liebe mit einer Dölitzer Rasenfläche ist es zu verdanken, dass der Freundschaftskick der Ersten mit Blau-Weiß abgesagt und ein Fussballspiel in Staffel 2, der 1. Kreisklasse Leipzig zum letzten Halt wurde für Menschen, die der Sinnleere eines bundesligaspielfreien Wochenendes zu entkommen suchten. Diese Last war der U23 von Roter Stern jedoch nicht anzumerken. Am Treffpunkt Fisch, wo noch immer so lange gewartet wird, bis jemand erinnert: „Ocho spielt nicht mehr bei uns, wir können los!“, war die Stimmung gelassen und auch an der Zwenkauer Straße, im besagten groß D., zogen sich vorm Spiel noch einige vergnüglich die Kippen rein wie Manu sich ‚Hier-ab-Vier‘, während die alte Garde der Nullneuner gegen die Seebären aus Störmthal die Brutalität des Alterns vorexerzierte. Nun gut, man war in Topbesetzung angereist. Tor: Kanarienvogel Manu; vor ihm die Zwillinge im Geiste, der zarte Henne neben Elias, die sich links mit Felix (der sich dem Joch der Macher in der Abwehr fügen musste), rechts mit MaschinenHarry schmückten; endlich wieder vereint zeigten sich auf der 6 Captain-Koehn, der die Binde für den vermissten Wirse trug, und Christiano-Mo, das Amulett der Mittefeldviererkette, die - Achtung Wortwitz - links besiegelt, rechts belauert. Vorne perfektionierten Baks und Simon in ungewohnter Doppelrolle das in schlaflosen Nächten gemachte 4-4-2-System unseres genialen Trainerduos, die in der Kabinenansprache wie immer überzeugen konnten: „Lief ganz gut letzte Woche.“ - Auf gehts!

Doch scheinbar unerhört blieben zunächst die Warnungen der lauerschen Scoutingabteilung. „Die werden nur Auswärts abgeschossen. Zuhause verlieren die nur knapp. Also aufpassen! Seid konzentriert!“ - Nichts da. Großderben rennt an, ist präsenter, gewinnt die Luftkämpfe und hat die erste Chance. Sie endet mit einem kläglichen und blinden Querpass im Strafraum, statt sattem Abschluss oder Abschuss des bunten Vogels auf der Linie. Der Schreck war da und zeigte Wirkung. Immer besser kam das grüne Ballet in Fahrt und Martin versiegelt die erste Chance der Sterne, passiert! Dann aber Harry. Oh Harry! Wie einst Lucio bohrt er eine Schneise durch´s ganze Spielfeld, was macht der da? Er rattert nach vorne, gibt irgendwohin den Ball ab, kriegt ihn wieauchimmer wieder, ist frei am Fünfer, vorm Tor! Welche Ecke? Such´s dir aus! Welche Ecke Harry?! Drüber. „Ist halt kein Torjäger“ hört man es raunen, auch Lachen war dabei. Aber, liebe Leute, aber. Wartet nur ab. Weiter gehts, hier wird einem nichts geschenkt, das wird schnell klar und die Lücken sind groß, sind zu groß zwischen Mittelfeld und Angriff, Großderben hat Platz, Unkonzentriertheiten bieten ihnen immer wieder Möglichkeiten und jetzt langts. Muckel und L. stellen um: Simon auf die Zehn, Bucks vor = 4-2-3-1. Es läuft besser. Und Elias, der seine Pässe punktgenau platziert, läuft über rechts und sieht vorne Mo sich in den Strafraum schummeln - Pack! - Sahneball über 40 Meter auf Mo, der lässig wie je den Ball ansaugt und abschließt, 0-1. Doch über links geht auch was. Felix und Martin arbeiten sich vor, teilen sich den Ball wie ein Liebespaar ´ne Nudel, gute Flanke, in der Mitte Baks wo er sein soll, kommt nicht ran mit dem Kopf, die Haare wollen auch nicht, dann halt die Hand! Ja, die Hand. Keine Diskussion, absichtslose Absicht - gelb. Aber das Spiel läuft, hart zwar, denn die G´s aus´m Markleeberger Süden kommen über Aggressivität (in elf Spielen 27 gelbe Karten, 5 Platzverweise), aber es läuft für die Sterne und heute vor allem für einen, der als rechter Verteidiger das Weite sucht. Von Matze immer wieder durch seine Schnittstellenpässe-aus´m-Lehrbuch eingesetzt, kommt unser junger Wutwürger vorwärts und wieder vors Tor des guten, großderben Hüters. Diesmal aber raffinierter, von der Seite und im Zusammenspiel mit den Kräften flankt oder schießt oder was-macht-der-da-schon-wieder?, er fließt einen von dieser Schläue überrumpelten Verteidiger an. Tor!

Was sagt man da? - Läuft ganz gut diese Woche.

Und die Worte fruchteten. Gut kamen die Unaufsteigbaren aus der Kabine, da ergibt sich gleich die Chance für Baks. Was er kann wissen alle, nur Großderben nicht. Laut fluchend ist schon beim Vorbeilaufen ihre Anerkennung für seine Dribbelkünste vernehmbar „Was ist denn das? Wie kann denn das sein?“ Mit dem Ball am Fuss macht er sie alle nass und belohnt sich mit seinem ersten Tor. Glückwunsch, Baks! 0-3, das wird ne mollige zweite Hälfte. Doch weil er mehr wollte und nachsetzte kriegten L. und Muckel feuchte Hände. Nach einem Foul folgte die mündliche Verwarnung für Baks, der vorbelastet von risikounfreudigen Seitenrandstehern ausgewechselt wurde, für ihn kam Moritz. Das Spiel jedoch sollte sich nicht beruhigen, Großderben verfehlte nach einem guten Schuss nur knapp das Tor und kam immer wieder durch löchrige Sterne hindurch. Nur einer wollte kein Loch sein heute und diente bei einer Hereingabe dem Ball als Bande, was später in der Kabine gehässig zu folgendem Ausruf umgedichtet wurde: „Und dann schießt der dem genau in seinen fetten Bierwanzt rein!“ Ja, so war es. Die Bierwanztbande drückte den Ball ins eigene Tor und schenkte derben Deubenern neue Hoffnung. Egal, drei zu eins, mag man sagen, wenn nicht sogleich Hennes Objektophilie wieder Überhand nehmen würde. Eigentlich zum Kuss hoch gestiegen, bei einer Flanke der in weiß spielenden Grünweißen, merkte er schnell die Kugel mit seinen gespitzten Lippen nicht zu erreichen und da kein anderer sie küssen sollte, half die Hand im Sechzehner Fangen. Elfmeter. Knallhart in die Mitte „mit 180 Kmh“ (Matze), Manu flog vergeblich oder zum Glück für sein Gefieder nach rechts. Puh, 2:3, nun ging L. aus A. der Arsch endgültig auf Grundeis. Großderben hatte Blut geleckt und wurde jetzt nicht nur seiner Statistik gerecht. Auch einem Texteditor kann die Ortsnamenverbesserung nach der brutalen Spielweise der letzten viertel Stunde nicht übel genommen werden. Der bestaunte Edeltechniker Mo wurde unrühmlich von hinten umgelatscht und musste verletzt runter. Rote Karte keine Frage, aber Schiri Redmann, der bis dato fehlerfrei, ließ den gelbvorbelasteten 4er auf´m Platz, der doch schon zuvor Felix in den Rücken sprang und mehrfach durch unangenehme Äußerungen auffiel. Klare Fehlentscheidung. Doch ebenso der einzige Zwerg in den Reihen der Derben, der für den arg rotgefährdeten Provokateur ins Spiel kam, war auf Krawall gebürstet. Auch nach dem erleichternden 2:4 blieb die Lage angespannt. Doch zunächst zum Tor, eine Standardsituation. Ecke - Tor; wäre zu einfach. Die mit Wachstumshormonen überfütterten Großderben überragten unnatürlich alle Sterne und doch fiel der Ball irgendwie auf den Kopf des kleinsten Menschen im Strafraum. Martin konnte das Tohuwabohu in der Box nutzen und köpfte gezielt zum Mitspieler Benjamin, der den Hering roch und in Torjägermanier einschob. Alle Hater vom Anfang wurden Lügen gestraft. Der Goldjunge des Tages lautete Benni H., Fischliebhaber, Liniensprinter, würgendes Ungeheuer! Wütend ging das Spiel weiter und die Fieberkurve stieg. Zwar brachten die eingewechselten Conrad (schöner Pass auf Moritz, der heute im Großderbener Torwart seinen Meister fand) und Nachwuchsdefensivtalent Dominik gute Impulse, aber dem Eifer des Gefechts konnten auch diese kühlen Köpfe kein Ende bereiten. Der auffällige Giftzwerg mit Rückennummer 9 fegte nur so über den Platz, was Harry geschickt nutzte und den Sternen 29 1/2 Meter vor gegnerischem Tor einen Freistoß bestellte. Der vor Wut über die Verletzungsmaschinerie Großderben schäumende Matze nahm sich die Pille. Statt wie erwartet aus dieser Distanz mit Bananenflanke zu arbeiten, lederte der sie kompromisslos und mit voller Wucht oben in den rechten Giebel. Unfassbar. Ein Traumtor und Schlusspunkt voller Genugtuung.

Was nimmt man mit aus diesem Spiel? Immerhin drei Punkte. Aber eben auch eine Verletzung. Markleeberg Süd scheint die Hoffnung auf den Klassenerhalt zu verlieren. Seit der 8:0-Klatsche gegen Olympia vor zwei Wochen schweigt die offizielle Facebookpräsenz der Eintracht. Die Zwote aus dem Leipziger Süden hingegen scheint sich gefunden und empfängt nächste Woche zum letzten Hinrunden- und Heimspiel des Jahres SV Leipzig Ost aus Sellerhausen, dann hoffentlich mit einem gesunden Mo und zahlreichen Wiederkehrern, die heute den Tag schöner verbrachten.

Forza!